Neuwahlen des Vorstands der Initiative

11. Juli 2019, 09:30 Uhr

Nachdem sich der neue Vorstand Ende Juni erstmals zusammengesetzt hat, wollen wir Sie und Euch über die aktuelle Aufgabenverteilung informieren.

Der neue Vorstand möchte an dieser Stelle aber zuerst Ricarda, Jan und Özhan besonders herzlich danken, die alle Drei nicht mehr für den neuen Vorstand kandidierten. Wir werden sie in ihrer höchst unterschiedlichen Persönlichkeit und der daraus resultierenden Bedeutung für die Initiative außerordentlich vermissen:

Ricarda, wie wir alle wissen stets im Geiste Heraklits wandelnd, der im Streit den Vater aller Dinge sah, vertrat mit temperamentvoller Wucht über viele Jahre die Interessen der bayerischen Initiative als Delegierte (neben zahllosen, umfangreichen Verteidigungen in OLG-Verfahren!): beeindruckte und eckte hier und da an, doch nichts wäre ihr fremder, als sich dem Vorwurf der Beliebigkeit ausgesetzt zu sehen. Ricarda, die für die Verteidigung brennt, sieht sich in der Tiefe ihres Herzens als politische Verteidigerin („Zuallererst bin ich politischer Mensch und erst in zweiter Linie Verteidigerin!“). Sie hat eigentlich regelmäßige Fortbildungsveranstaltungen in der Initiative erst etabliert und in diesem Rahmen auch - ganz ihrem Selbstverständnis folgend - eine vielbeachtete Vortragsreihe organisiert, bei welcher man sich fragte, weshalb eine derartige Vortragsreihe nicht schon vor Ricarda von der Initiative veranstaltet wurde, wo sie doch die die Initiative prägende Idee von Verteidigung aufgreift: Die Ringvortragsreihe „Verteidigung in politischen Prozessen“ gewährte nicht nur Einblicke in prägende „politischen Prozesse“ der jüngeren Vergangenheit der deutschen (Rechts-) Geschichte (Stammheimverfahren, FDLR- Prozess - als erstes Verfahren nach dem Völkerstrafgesetzbuch in Deutschland wegen Verbrechensvorwürfen im Kongo, das erste PKK-Verfahren in Deutschland, Schmücker-Verfahren, LTTE-Prozesse, Honecker-Prozess), sondern stellte geradezu paradigmatisch die Anforderungen an Können und Engagement der Verteidigung in politischen Verfahren dar, in welchen das Primat des Rechts den Versuchen der Einflussnahme politischer Machtinteressen ausgesetzt ist. Ricarda gebührt das große Verdienst, diese in Deutschland in dieser Form wohl bislang einmalige Vortragsreihe, für die Initiative veranstaltet zu haben. Der neue Vorstand wird sich die Aufgabe stellen, die Vorträge in einer Anthologie zu editieren, um diese Interessierten als zeithistorische Dokumentation zur Verfügung zu stellen. Die Mitglieder des neuen Vorstandes sind sich sicher, dass Ricarda dem Vorstand erhalten bleibt, auch wenn sie ihm nun formal nicht mehr angehört, indem sie ihn mit ihrem Esprit inspirieren und herausfordern wird.

Jan war als langjähriger Vorsitzender eine herausragende Bereicherung für die Initiative, für welche er sich neben seinen weiteren ehrenamtlichen Tätigkeiten aufgerieben hat. Seine enge Anbindung an Forschung und Lehre einerseits, wie auch seine Mitgliedschaft im Strafrechtsausschuss der Bundesrechtsanwaltskammer andererseits sicherten dem Vorstand und damit der Initiative den Zugang zu einem besonderen Informationsfundus, den Jan mit seinen profunden Kenntnissen (Jan wird von Mitverteidigern gerne als „StPO-Sachverständiger“ gewürdigt) und seiner feinen Rhetorik abrundete. Aus der Vielzahl seiner Aktivitäten für die Initiative ist neben seinen zahlreichen Vorträgen sein Engagement für das Dreiländerforum Strafverteidigung besonders hervorzuheben: Dieses Forum prägte Jan von der ersten Veranstaltung im Jahr 2011 in Innsbruck bis in die Gegenwart (2019 in Solothurn) als Organisator und Referent. Fünf Vorträge in diesem Zeitraum sind Beleg für Jans Ambition, dem Dreiländerforum als internationale Strafverteidigertagung ein langes Leben zu gewähren. Seine Leistung auf deutscher Seite als Vertreter der bayerischen Initiative bei der Organisation dieser Tagung mag auch darin ihren Ausdruck finden, dass sich ab 2015 die ursprünglich die Tagung mitveranstaltende AG Strafrecht des DAV komplett zurückzog, so dass der deutsche Veranstaltungsbeitrag fortan nur noch von der Vereinigung Baden-Württembergischer Strafverteidiger und der bayerischen Initiative geleistet wurde. Daneben verdient sein Wirken rund um den außerordentlich erfolgreichen Strafverteidigertag 2019 in Jans Wahlheimat Regensburg eine besondere Würdigung: war dieser Strafverteidigertag nicht nur der am zweitstärksten besuchte überhaupt, so wurde auch mit den „Regensburger Thesen“ erstmals Jans neues Konzept der rechtspolitischen Mitwirkung im Rahmen der Schlussveranstaltung erfolgreich umgesetzt.

Jan hat mit seiner hohen fachlichen Kompetenz wie auch mit seiner distinguierten Noblesse als Vorsitzender neue Maßstäbe gesetzt, an welchen sich nachfolgende Vorstände sicher noch viele Jahre werden orientieren können. Der neue Vorstand hofft, dass Jan nicht nur dem Dreiländerforum, sondern auch der Initiative mit Rat und zuweilen Tat gewogen bleibt.

Özhans Arbeit im Vorstand hat sich durch seine ausgleichende Ruhe ausgezeichnet, mit der er manch neues Argument mit Bedacht formuliert und in die Diskussion eingebracht hat. Er hat gemeinsam mit Ricarda als Delegierter die bayerische Initiative bei den regelmäßigen Treffen aller lokalen Vereinigungen vertreten und dort die Diskussionen mitgeprägt. Darüber hinaus hat Özhan durch mehrere Vorträge die Mitglieder mit seinen tiefen Kenntnissen zu Fragen der DNA-Analyse beeindruckt. Seine kreativen Ideen, die auch seine Arbeit als Verteidiger auszeichnen, werden der Initiative fehlen.

Ricarda, Jan und Özhan haben durch ihre unermüdliche Arbeit die Initiative in den letzten Jahren modernisiert und so auch für jüngere Kolleginnen und Kollegen attraktiv gemacht. Der Erfolg ihres Wirkens kann auch daran abgelesen werden, dass während ihrer Vorstandstätigkeit die Mitgliederzahl von knapp über 100 auf deutlich über 200 wuchs.

Dies ist auch deshalb zu begrüßen, weil die Aufgaben, die sich der neue Vorstand gestellt hat, nicht zuletzt wegen der entstandenen Lücken, die die drei Ausgeschiedenen hinterlassen, nur erfüllt werden können, wenn sich möglichst viele unserer Mitglieder einbringen und mitmachen, wozu wir alle herzlich auffordern und einladen. Wir weisen auch nochmal daraufhin, dass an unseren Vorstandssitzungen jedes Mitglied teilnehmen kann. Gerade jüngeren Kollegen bietet sich dort die Chance, die Arbeit des Vorstandes hinter den Kulissen kennen zu lernen und mitzugestalten.

Der neue Vorstand wird mit aller Kraft für die Interessen der Mitglieder des Vereins und aller Strafverteidigerinnen und Strafverteidiger in Bayern eintreten. Die neue Aufgabenverteilung ist noch nicht vollständig abgeschlossen, aber wir können auf Erfahrung und Verve aller Mitglieder des neuen Vorstandes zugreifen. Zwar sind noch nicht alle Aufgaben verteilt, aber folgende Bereiche sind bereits vergeben:

  • Daniel Amelung – stellv. Vorsitzender und Öffentlichkeitsreferent
  • Johanna Braun – Notdiensthandy
  • Andreas Lickleder – Fortbildungsbeauftragter
  • Markus Meißner – Kassenwart
  • Andreas Schwarzer – Seehausbeauftragter
  • Nico Werning – Sekretariat und Vorsitzender

Über die weitere Aufgabenverteilung informieren wir Sie und Euch, sobald sie abschließend getroffen wurde.

Für Ihr und Euer Vertrauen bedanken wir uns schon jetzt. Wir freuen uns auf die gemeinsame Arbeit und haben schon viele neue Ideen, die wir hoffentlich zeitnah umsetzen können.