Grundlagenseminar "Strafverteidigung!"

Die Initiative Bayerischer Strafverteidigerinnen und Strafverteidiger e.V. befasst sich mit den Grundlagen einer aktiven Strafverteidigung.

Das Grundlagenseminar "Strafverteidigung!" hat sich zum Ziel gesetzt, das Engagement von uns allen in der täglichen Arbeit bei Gericht zu erhöhen, Tipps für aktive Strafverteidigung zu geben und durch einen praxisbezogenen Austausch zwischen Referenten und Zuhörern nach den Referaten den Erfahrungshorizont aller Teilnehmer zu erweitern.

Die Vorträge finden üblicherweise einmal im Monat Donnerstags um 19.00 Uhr im EineWeltHaus, Schwanthalerstraße 80, 80336 München statt. Um allerdings auch Mitgliedern von außerhalb Münchens entgegenzukommen und ihnen gelegentlich die Anreise zu ersparen, finden einzelne Vorträge an anderen Orten statt. Darauf wird bei der entsprechenden Vorankündigung nochmals gesondert hingewiesen werden.

Wie üblich sind die Veranstaltungen für Mitglieder der Initiative kostenlos und auf Wunsch wird ihnen ein FAO-Nachweis ausgestellt.

 

Die einzelnen Veranstaltungen:

16.02.2017

Rechte und Pflichten des Verteidigers im Mandatsverhältnis

RA Daniel Amelung (München)

 

Der Umgang mit dem Mandanten ist gerade zu Beginn der Verteidigung von erheblicher Bedeutung für das notwendige Vertrauensverhältnis. Was kann, darf und muss der Anwalt tun, welche Wünsche des Mandanten muss er ausschlagen? U-Haft führt gerade in den ersten Tagen nicht selten auch zu Suizidgefahr - der professionelle Umgang damit wird ebenfalls thematisiert.

 

 

07.03.2017

Grundlagen RVG/Vergütungsvereinbarung

RA Norbert Schneider (Neunkirchen)

 

Norbert Schneider ist einer der versiertesten Praktiker im Bereich des Gebührenrechts und hat zahlreiche Werke zum RVG veröffentlicht. Er wird die Grundlagen der Abrechnung nach dem RVG und vor allem die Zulässigkeit, Gestaltung und Durchsetzung von Honorarvereinbarungen darstellen.

 

 

06.04.2017

Verteidigung gegen die Untersuchungshaft

RA Marco von Schirach (München)

 

Der Vortrag wird Verteidigungsansätze gegen die Haftgründe und Möglichkeiten der Haftvermeidung, z. B. in Form von Haftalternativen (insb. nach JGG) aufzeigen, ebenso den praktischen Ablauf der Kautionshinterlegung und den Zugang zum Neu-Mandanten in der U-Haft.

 

 

11.05.2017

Die Vermögensabschöpfung

RA'in Dr. Anouschka Velke, LL. M. (Frankfurt a. M.)

 

Dr. Anouschka Velke hat zur Vermögensabschöpfung promoviert und referiert dazu im Fachanwaltskurs der Hessischen Strafverteidigervereinigung. Sie wird die Möglichkeiten der Staatsanwaltschaft und des Gerichts, vermögenswirksame Maßnahmen zu ergreifen, ebenso darstellen, wie die Möglichkeiten der Verteidigung, dagegen vorzugehen. Dieses Feld der Verteidigung bleibt häufig ungenutzt. Die Referentin wird zudem einen Ausblick auf Reformbemühungen geben.

Der Vortrag findet in Ansbach statt.

 

 

22.06.2017 (entfällt!)

Dokumentation in der Hauptverhandlung

RA Prof. Dr. Endrik Wilheilm (Dresden)

 

Die Dokumentation in der Hauptverhandlung, insbesondere die "revisionsfeste" Einbringung einer möglichen Einlassung des Mandanten bereitet nach wie vor erhebliche Schwierigkeiten. Der Vortrag soll Möglichkeiten und ggf. Alternativen aufzeigen, um einen angestrebten Sachverhalt für das Gericht bindend festzuschreiben.

 

 

13.07.2017

Befangenheitsantrag, Verteidigererklärung gem. § 257 II StPO, Opening Statement

RA'in Ricarda Lang (München)

 

Der Befangenheitsantrag wird in der Praxis aus Sorge um das Klima in der Hauptverhandlung häufig stiefmütterlich behandelt. Die Referentin wird neben den Formalien eines Befangenheitsantrags auch Beispiele bringen und auf den Antrag auf Auswechslung des Sitzungsvertreters der Staatsanwaltschaft eingehen. Daneben wird der Vortrag zwei wesentliche Erklärungsmöglichkeiten des Verteidigers ansprechen, mit denen die Beweisaufnahme beeinflusst werden kann: Das sog. "Opening Statement" und das Erklärungsrecht gem. § 257 II StPO bieten Möglichkeiten der Verteidigung, um ihre Sicht der Dinge zu präsentieren.

 

 

14.09.2017

Der Antrag auf Nichtverlesung der Anklageschrift

RA'in Julia Weinmann (München)

 

Der Antrag auf Nichtverlesung der Anklageschrift bietet erhebliches Verteidigungspotential. Viele Anklageschriften offenbaren erst auf den zweiten Blick Mängel. Der Vortrag wird die gesetzlichen Voraussetzungen einer wirksamen Anklage darstellen und anhand von Beispielsfällen aufzeigen, wann die Verteidigung aktiv werden sollte.

 

 

05.10.2017

Die Besetzungsrüge

RA Nico Werning, LL. M. (München)

 

Die Besetzungsrüge ist ähnlich wie der Befangenheitsantrag vielerorts unüblich geworden. Sie ist mit einem oft erheblichen Zeitaufwand verbunden. Das Recht auf den gesetzlichen Richter ist jedoch von elementarer Bedeutung und überwiegt sogar den Beschleunigungsgrundsatz.

Der Vortrag wurde auf besonderen Wunsch und aus gegebenem Anlass durch einen Vortrag zum neuen Recht der Vermögensabschöpfung ersetzt und wird gelegentlich nachgeholt.

 

 

09.11.2017

Der Beweisantrag

RA Peter Witting (München)

 

Der (Hilfs-)Beweisantrag ist das wichtigste Mittel der Verteidigung, um Einfluss auf die Beweisaufnahme zu nehmen und so ein günstiges Ergebnis für den Mandanten zu erzielen. Der Vortrag stellt die Anforderungen der Rechtsprechung an einen Beweisantrag dar und erklärt den Unterschied zum Beweisermittlungsantrag. Er geht insbesondere auf die Ablehnungsgründe sowie die Möglichkeiten der Verteidigung nach einer Ablehnung des Beweisantrags ein.

 

 

11.01.2018

Verborgene Schätze der StPO: Eigene Ermittlungen, Selbstladungsrecht und Kreuzverhör

RA Prof. Dr. Jan Bockemühl (Regensburg)

 

Die StPO bietet einige verborgene Schätze, die in diesem Vortrag oräsentiert werden sollen. Das Selbstladungsrecht des Verteidigers und das Kreuzverhör gehören ebenso dazu, wie die eigenen Ermittlungen des Verteidigers und bieten uns die Möglichkeit, aktiv die Beweisaufnahme mitzugestalten.

Die Veranstaltung findet in Regensburg statt (genauen Ort bitte bei der Initiative erfragen).

 

 

08.02.2018

Das DNA-Gutachten

RA Özhan Erenoglu (München)

 

Ein vermeintlicher tatnachweis mittels DNA-Treffern wird immer häufiger geführt. Die Verurteilung darf indes auch nicht allein auf einem DNA-Treffer basieren. Der Vortrag wird uns die Zusammenhänge und insbeondere die Lesart von DNA-Gutachten näherbringen und helfen, dieses naturwissenschaftliche "Buch mit sieben Siegeln" zu verstehen.

 

 

08.03.2018

Das Glaubhaftigkeitsgutachten

Dipl.-Psych. Dr. Monika Aymans (München)

 

Gerade in Sexualstrafsachen ist ein Glaubhaftigkeitsgutachten häufig die einzige Möglichkeit der Verteidigung, die Anklagevorwürfe zu erschüttern. Die Referentin berichtet über die Anforderungen der Rechtsprechung an ein wissenschaftliches Gutachten und berichtet anhand von Fällen aus ihrer Praxis über Glaubhaftigkeitskriterien.

 

 

12.04.2018

Nebenklage/Adhäsionsverfahren/Zeugenbeistand

RA'in Dr. Gabriele Schöch (München)

 

Dr. Gabriele Schöch gehört zu den versiertesten Nebenklagevertreterinnen in München und kann auf eine langjährige Erfahrung zurückblicken. Die aktiv geführte Nebenklage bietet zahlreiche Möglichkeiten, eine schwach agierende Staatsanwaltschaft zu unterstützen und so Einfluss auf das Verfahren im Sinne des Mandanten zu nehmen.

 

 

17.05.2018

Verteidigung gegen geheime Ermittlungsmaßnahmen

RA Manfred Gnjidic (Ulm)

 

Geheime Ermittlungsmaßnahmen wie zum Beispiel TKÜ, Verkehrsdatenüberwachung und Observation nehmen in den letzten Jahren einen immer größeren Stellenwert ein. Die Verteidigung dagegen ist wegen der vermeintlich "harten Fakten" umso schwieriger, weshalb eine versierte prozessuale Vorgehensweise vonnöten ist.

Die Veranstaltung findet in Augsburg statt (genauen Ort bitte bei der Initiative erfragen).

 

 

14.06.2018

Beweiserhebungs- und Verwertungsverbote, auch mit Blick auf die Revision

RA Andreas Lickleder (München)

 

Beweiserhebungs- und Beweisverwertungsverbote gehören zu den kompliziertesten Fragen des Strafprozesses; nicht nur, weil auch die Rechtsprechung des BVerfG und des EGMR berücksichtigt werden muss, sondern weil von den Gerichten mit Billigung des BGH immer noch eine einzelfallbezogene Abwägung vorgenommen wird, in der - je nach Bedarf - unterschiedliche Aspekte mehr oder weniger stark gewichtet werden. Der Vortrag gibt einen Überblich über aktuelle Entscheidungen und Beurteilungsparameter.

 

 

12.07.2018

Akteneinsicht, Aussagegenehmigung, VS-Sachen

RA Richard Beyer (München)

 

In manchen Fällen muss der Anwalt sich schon die Akteneinischt erstreiten, typischerweise bei der Herausgabe der TKÜ-Mitschnitte, aber auch bei der Beiziehung von Akteneinischt in Parallelverfahren oder Verfahren gegen abgetrennte Mitbeschuldigte. Da diese Probleme häufig in OLG-Verfahren auftreten, wir der Referent zugleich den Problemkreis der Aussagegenehmigung thematisieren.

 

 

13.09.2018

Verteidigung mit der Rechtsprechung des BVerfG und des EGMR

Prof. Dr. Robert Esser (Passau)

 

Im Zuge der Europäisierung des Rechts und damit auch des Strafrechts gewinnt die Rechtsprechung des EGMR neben derjenigen des BVerfG immer mehr Bedeutung, führt aber in der täglichen Verteidigungspraxis noch immer ein Schattendasein. Dies ist umso verwunderlicher, da die Rechtsprechung des EGMR genauso bindend für alle Gerichte ist, aber meist noch weiter geht als die des BVerfG.

Die Veranstaltung findet in Passau statt (genauen Ort bitte bei der Initiative erfragen).

 

 

11.10.2018

RA Dr. Kurt Bröckers (München)

Verfahren vor dem Anwaltsgericht

 

Wer aktiv verteidigt, muss besonders sorgfältig und pflichtbewusst arbeiten, um nicht in den Fokus der Staatsanwaltschaft zu geraten. Geschieht dies doch, droht ein Verfahren vor dem Anwaltsgericht. Der Referent stellt den Verfahrensgang und die möglichen berufsrechtlichen Folgen dar. Darüber hinaus schildert er die Besonderheiten und die tatsächlichen und psychologischen Belastungen dieser Kriminalisierung aktiver Verteidigung.

 

 

08.11.2018

StrEG

RA Dr. Dr. Ralf Hohmann (München)

 

Ist es dem Verteidiger gelungen, einen Freispruch zu erwirken, gehört es zu den Pflichten des Verteidigers, auch die Entschädigungsansprüche geltend zu machen. Der Referent wird das zweistufige Verfahren darstellen, wonach zunächst der Anspruch dem Grunden nach und sodann - nach Bewilligung - der Höhe nach geltend gemacht werden muss. Insoweit werden insbesondere Beispiele und Formalia dargestellt.